„Als für die Frauenabteilung zuständige Abteilungsleiterin begrüße ich das hiesige Angebot zur künstlerischen Betätigung sowie jegliche Erweiterung der Möglichkeiten auf diesem Gebiet sehr.

Zum einen zählt zu einer erfolgreichen Resozialisierung der Inhaftierten nicht nur, diesen bei der Suche nach einer Wohnung oder Arbeit behilflich zu sein oder finanzielle Angelegenheiten zu klären, sondern auch, zu vermitteln, dass viele von ihnen über Fähigkeiten verfügen, die ihnen bislang unter Umständen verborgen geblieben sind bzw. an die sie bislang noch gar nicht gedacht hatten.
Gerade in der künstlerischen Betätigung lässt sich immer wieder beobachten, dass Gefangene ungeahnte Talente in sich entdecken und Erfolgserlebnisse erleben, die ihnen auch in der Zeit nach der Entlassung Selbstvertrauen und psychische Stärke vermitteln können.

Zum anderen trägt die künstlerische Art der Freizeitbeschäftigung auch wesentlich zu einer Entspannung des Vollzugsalltags bei:
So finden viele Inhaftierte in künstlerischen Tätigkeiten einen Weg, dem „Vollzugseinerlei“ und den damit häufig verbundenen seelischen Belastungen zu entfliehen, ein wenig Schönheit in die schwierige Zeit der Haft zu bringen und manchen Konflikt auf „kreative Art und Weise“ zu lösen.

Insgesamt leistet das kunsttherapeutische Angebot demnach einen wertvollen Beitrag zu einem erfolgreichen Strafvollzug und kommt somit sowohl den Inhaftierten selbst, als auch den Bediensteten zu Gute.“

T. Oberndörfer
Regierungsrätin
ehemalige Abteilungsleiterin Frauen der JVA Aichach

Die Freiheit wurde mir zwar genommen, aber etwas sehr Wertvolles habe ich gewonnen: Die Entfaltung meiner Kreativität und die Leidenschaft zur Kunst!“
Sie hilft mir mich von meiner Vergangenheit abzulenken und die Zeit, die ich auf Zelle verbringe in meinen Augen als sinnvoll zu nutzen.
Die Stunden vergehen wie im Fluge beim Zeichnen. Bei jeder Zeichnung lerne ich dazu noch perfekter zu werden und bin stolz auf die Werke, die ich gestalte und auf das Potenzial, das in mir steckte und vor sich hin schlummerte.
Die Kunstgruppe ist ein Highlight der Woche für mich. Kreative (wenn auch kriminelle) Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft treffen aufeinander, tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig und führen Dialoge in der Kunstgruppe auf einem anderen Niveau.
In unterschiedlichen Bereichen können wir uns probieren und experimentieren, ob in Öl, Aquarell, Acryl, Kohle oder sonstigem.
Ich bin sehr dankbar darüber, dass ich in der Kunstgruppe bin und dass durch die Hilfe des Hauses und der externen Kunsttherapeuten uns die Möglichkeit dazu gegeben wird!

W.K.

Die Kunsttherapie in ihrer aktuellen Formt stellt meiner Ansicht nach ein einmaliges Angebot dar, dass weder an einer Indikation orientierte Behandlungsmaßnahme noch reines Freizeitangebot ist. Vielmehr ist es in meinen Augen eine Zwischenform dieser beiden Angebote, von dem alle inhaftierten Frauen ohne „Zulassungsbeschränkungen“ im Sinne einer individuell heilsamen und damit gleichzeitig resozialisierend wirkenden Weise profitieren können.

Sozialpädagogin der JVA Aichach

Es bedeutet mir sehr viel, mich selbst hier in der JVA kreativ entfalten zu können. Durch die Kunst ist es mir möglich, wie in einer Art Meditation, meinen Geist zu befreien und dadurch jegliches Zeitgefühl zu vergessen. Sogar meine persönlichen Bedürfnisse rücken in den Hintergrund, da ich so vertieft in meine Arbeiten bin. Es ist schön, in unserem Alltag die Möglichkeit zu haben, in eine völlig andere Welt zu tauchen und auch mal kurz zu vergessen, welche Situation uns umgibt.
Ich persönlich habe mich ja auch schon in Freiheit sehr viel mit Kunst beschäftigt, aber anderen Inhaftierten ist diese Art der Ablenkung vielleicht auch eine neue Alternative zum Verarbeiten eines bestehenden Schmerzes, zu Abbau gewisser Aggressionen oder auch einfach eine neue Möglichkeit, Gefühle auszudrücken.

M.M.

„Aus dem Leide schöpft die Kunst die erhabensten Eingebungen.“
(Michelangelo Buonarotti)

Kunst ermöglicht es Gedanken und Gefühle, ob positive oder negative, zum Ausdruck zu bringen und bietet in gewisser Weise Hilfestelllungen beim Erleben und bei der Verarbeitung von eben diesen. Kunst unterstützt Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, obwohl das Ziel zunächst nicht sichtbar ist, nur vor dem inneren Auge des Künstlers.
Durch künstlerische Tätigkeit gelingt es oft höchste Konzentration hervorzurufen und zu gleicher Zeit aber tiefste Entspannung zu erleben.
Und bei Vollendung des Werkes dann, einem das Gefühl zu geben etwas Tolles und Einzigartiges durch eigene Mühe und Fleiß geschaffen zu haben.

V. di Leo
Sozialpädagogin der JVA Aichach

Die Kunstgruppe im Knast bedeutet für mich:
Die Möglichkeit wöchentlich zwei von 168 Stunden das zu tun, was ich in der „echten Realität“ auch tue: Experimentieren, lernen und jedem Anflug einer Idee freien Lauf lassen können.
Kunst im Knast bedeutet für mich, ungezwungen, autonom und selbstverantwortlich in völligem Gegensatz zur sonst allgegenwärtigen Reglementierung, seelischer Ummauerung und geistiger Einzäunung ICH zu sein.

Sol.

Sehr geehrte Damen der JVA Aichach,

Ihre Bilder haben mich stark beeindruckt. Sie gefallen mir ausgesprochen gut, sowohl vom Inhalt, als auch vom künstlerischen Ausdruck her. So kommen Sie doch (wenn auch indirekt) aus Ihren Mauern heraus und hinterlassen einen wunderbaren positiven Eindruck.
Ich wünsche allen Künstlerinnen und Ihrer Leiterin noch viele positive Rückmeldungen. Viele sagen es, geben es aber nicht schriftlich weiter. Es würde mich freuen, wenn ähnliche Projekte folgen!

Leserbrief zum Rathausadventskalender 2012
R. Reisinger
Geschäftsführerin
vhs Aichach-Friedberg

ICH FÜHLE MICH FREI UND STOLZ

… draußen war ich sehr beschäftigt mit meinem thailändischen Restaurant. Zeit für Kunst? Nicht direkt: Beim Kochen achtete ich immer auf die Kombination der Speisen auf den Tellern, auch die Farben am Tisch und an den Wänden mussten abgestimmt sein – War das Kunst?

… richtig zu malen habe ich eigentlich erst hier in der JVA aus Langweile angefangen. Als ich in die Malgruppe kam, war ich überrascht, denn ich fand, dass es mir mehr gab als ich erwartet habe.
Ich fühlte mich frei, relaxt, ruhiger und konzentriert wie nie zuvor. Gleichfalls irgendwie stolz, stolz auf meine Malerei und auf mich selbst.

…In meiner Gruppe sind wir sehr spontan und freundlich zueinander, das macht die zwei Stunden sehr wertvoll, außerdem finde ich, dass die Zeit so sehr schnell vergeht. Gerade beim Malen vergesse ich alles, vergesse ich, wo ich bin, vergesse die Probleme, vergesse ich sogar meinen Magen. Ich kann nur das eine sagen: KUNST GIBT MIR MEHR ALS ICH DACHTE, KUNST TUT MIR WIRKLICH GUT. Ich bin dankbar dafür.

P.G.

2009 kam ich durch eigenes Verschulden in Haft. Meine jetzige Lebenssituation: mindestens zwei weitere Jahre muss ich hier verweilen.
Die ersten zwei Jahre durchlebte ich einen fürchterlichen seelischen wie auch psychischen Absturz. Stressbedingter Tinitus ließ mich nicht mehr schlafen.
Wenn die Zellentür verschlossen wurde, mich die Einsamkeit und Schuld erdrückte, mir bewusst wurde, in welche Situation ich mich gebracht habe…
Wie vielen Menschen, die mich lieben, ich großes Leid zufügt habe, verletzt habe, die durch meine Tat mitverurteilt wurden…
Mein Opfer brachte ich in eine lebensbedrohliche Situation…
Diese mir so bewusste Schuld, die ich auf mich nehmen muss, da ich allein für meine Schuld verantwortlich bin.

Ja, da wollte ich nicht mehr leben. Scham und Selbstvorwürfe zerfleischten mich, sobald ich alleine war. Wie sehr wünschte ich mir immer, dass alles nur ein böser Traum wäre, aber die Wirklichkeit holte mich zurück ins jetzt, hier und heute … Es ist und war kein Traum. Gerade zu dem Zeitpunkt, als ich ganz unten war, keinen Sinn in meinem Sein mehr sah, bekam ich die positive Nachricht zur Teilnahme an der Kunstgruppe, auf die ich schon so lange gewartet hatte…
Heute kann ich sagen – nach zwei Jahren in der Kunstgruppe -, dass ich die Kunst für mich entdeckt habe und die Kunst mich…
Für mich war und ist sie die Rettung, der Anker in der Brandung. Ich habe gelernt, wieder an das Leben zu glauben, die Zukunft nach der Haft in einem positiven Licht zu sehen. Meine Angst vor dieser Zukunft ist vorbei, „denn“ ich weiß, ich will und kann ein neues, straffreies Leben im Kreise meiner Familie verbringen.

Für mich ist die Kunst ein sehr wichtiger Baustein meines Lebens geworden. Wenn ich denke es geht nicht mehr … nehme ich Block und Bleistift und lasse meinen Gedanken freien Lauf, lasse mich von den schönen Dingen des Lebens inspirieren. Dadurch ziehen die dunklen Wolken, die mich betrüben, traurig machen wollen, ganz schnell vorüber und ich erfreue mich an dem, was ich auf Papier zauberte….
Für mich steht heute schon fest, auch in Freiheit wird die Kunst ein fester Bestandteil meines Lebens sein.

E.C.